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Weltbild November 2016

Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr ist eine wichtige politische Entscheidung völlig anders ausgegangen als erwartet und vorhergesagt: Donald Trump hat überraschenderweise das Rennen um das Weiße Haus gegen Hillary Clinton gewonnen.

Während die Aktienmärkte in den Industrieländern das Wählervotum relativ schnell verdauten, wurden viele Schwellenländer deutlich stärker in Mitleidenschaft gezogen. Renditen von Staatsanleihen zogen global deutlich an und liegen so hoch wie zuletzt Anfang des Jahres.

Unklar ist, welchen Auswirkungen politische Maßnahmen des neuen US-Präsidenten für Märkte, Volkswirtschaften und konjunkturelle Entwicklung haben werden. Aktuell zeigt sich die Weltwirtschaft in einem soliden Aufwärtstrend und dürfte nächstes Jahr noch einmal an Fahrt gewinnen.

Gesamtwirtschaftliches Umfeld

  • Europa hat den Brexit-Schock mittlerweile gut verdaut. Sowohl der Zeitplan wie auch der geplante „harte Brexit“ sind derzeit unsicher, was zusätzlich zur Beruhigung beiträgt.
  • Das US-Wachstum hat im dritten Quartal wieder deutlich zugelegt. Auch in Japan ist eine leichte konjunkturelle Erholung erkennbar.
  • In China stabilisiert sich das Wachstum weiterhin, ein stärkerer Rückgang wird derzeit ausgeschlossen. In Südamerika war zuletzt eine deutliche Erholung erkennbar.

Notenbankpolitik

  • Die EZB und die Bank of Japan bleiben weiterhin expansiv. Eine weitere geldpolitische Lockerung wird derzeit nicht erwartet.
  • Die amerikanische Notenbank FED dürfte im Dezember erstmals in diesem Jahr die Zinsen weiter anheben. Auch für nächstes Jahr werden weitere Zinsschritte erwartet. Insgesamt wird die Geldpolitik in den USA aber weiterhin unterstützend wirken.

Währungen

  • An den Devisenmärkten zeigt sich ein gemischtes Bild. US-Dollar und britisches Pfund konnten sich gegenüber dem Euro deutlich erholen. Die Erwartung höherer US-Zinsen sowie ein Gerichtsentscheid in London zum Brexit-Verfahren waren die Auslöser.
  • Dagegen setzten ein möglicher Zinsanstieg in den USA, aber auch der Ausgang der US-Wahlen die Währungen der Schwellenländer unter Druck.

Aktienmärkte

  • Die Aktienmärkte der meisten Industrieländer zeigten sich vom Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen eher unbeeindruckt. Nach einer sehr kurzen negativen Reaktion auf die Wahl Trumps setzte eine schnelle Erholung an den weltweiten Aktienmärkten ein. Die leichte Verbesserung sowohl des konjunkturellen Umfeldes wie auch der Unternehmensgewinne haben den Risikoappetit der Investoren steigen lassen.
  • Unter Druck kamen jedoch viele Aktienmärkte aus den Schwellenländern. Ängste vor einer zunehmend protektionistischen US-Handelspolitik führten zu sinkenden Kursen.

Rentenmärkte

  • Die Renditen von Staatsanleihen weltweit stiegen deutlich an und liegen aktuell so hoch wie zuletzt im Frühjahr diesen Jahres.
  • Steigende Inflationserwartungen sowie die erwarteten Zinserhöhungen der amerikanischen Notenbank FED belasteten die Rentenmärkte.

Gesamtwirtschaftliches /monetäres Umfeld


Die konjunkturelle Delle aus dem Sommer scheint überwunden zu sein. Nach einem schwachen ersten Halbjahr hat sich das Wachstum in den USA wieder beschleunigt. Europa wächst weiterhin moderat und selbst in Japan hat die wirtschaftliche Dynamik zuletzt wieder etwas zugelegt.

In den Schwellenländern wachsen die asiatischen Volkswirtschaften weiterhin mit durchschnittlich 6,5%. Befürchtungen über einen stärkeren Abschwung in China haben sich bisher nicht bestätigt. Russland und Brasilien, die aktuell noch in einer Rezession stecken, zeigen ebenfalls eine steigende wirtschaftliche Aktivität. Insgesamt werden für diese beiden Länder im nächsten Jahr wieder positive Wachstumsraten erwartet.

Die Geldpolitik bleibt dabei weiterhin unterstützend. Von der EZB als auch der Bank of Japan erwarten wir eine Fortsetzung ihrer expansiven Politik. Eine Entscheidung über das im März nächsten Jahres auslaufende Programm zum Ankauf von Staats- und Unternehmensanleihen hat die EZB allerdings noch nicht getroffen. Die amerikanische Notenbank FED wird aller Voraussicht nach im Dezember erstmals in diesem Jahr die Zinsen erhöhen. Auch für das nächste Jahr werden weitere Zinsanhebungen erwartet. Dennoch bleibt auch das monetäre Umfeld in den USA unterstützend.

Die Wirtschafts- und Finanzpolitik des neuen Präsidenten Trump ist derzeit nur schwer einzuschätzen. Mögliche Auswirkungen auf unterschiedliche Wirtschaftsregionen sind kaum absehbar. Staatliche Investitionsprogramme in die heimische Infrastruktur, wie im Wahlkampf versprochen, könnten der US-Wirtschaft zusätzliche Impulse geben. Auch geplante Steuersenkungen würden sich kurzfristig positiv auswirken. Allerdings könnten Trumps Budgetvorschläge auch die Staatsverschuldung erheblich erhöhen, was wiederum mittelfristig Einsparungen nötig werden lassen. Ein weiteres wichtiges Wahlkampfthema von Donald Trump waren die internationalen Handelsbeziehungen. Neuverhandlungen oder sogar Aussetzung von Handelsabkommen oder die Einführung von Schutzzöllen könnten einige Länder und Regionen empfindlich treffen. In der US-Wirtschaft wären negative Folgen spürbar.

Grundsätzlich stehen beide US-Parteien zum Freihandel und es bleibt fraglich, ob Trump solche Maximalforderungen durchsetzen kann.


Ausblick Aktienmärkte


Die Aktienmärkte in den Industrieländern haben nur kurz mit Kursabschlägen auf den Ausgang der US-Wahl reagiert und notieren aktuell sogar über den Niveaus vor der Wahl. Deutlich negativer war die Reaktion in einigen Schwellenländern. Steigende US-Zinsen in Verbindung mit einem steigenden US-Dollar sowie die Androhung einer protektionistischen Handelspolitik gegenüber einigen Ländern haben Investoren vorsichtiger werden lassen.

Zudem hat es einen deutlichen Favoritenwechsel gegeben. Als Profiteur von steigenden Zinsen haben sich Bank- und Versicherungsaktien zuletzt sehr positiv entwickelt. Auch zyklische Werte wie z.B. Aktien aus der Baubranche konnten profitieren. Zusätzlich wirkt hier die Phantasie auf das geplante Investitionsprogramm unterstützend. Aktien aus eher defensiven Sektoren wie z.B. Nahrungsmittel, Telekommunikation und Energieversorger haben hingegen deutlich verloren.

Die Gewinnentwicklung der Unternehmen hat sich in den letzten Wochen stetig verbessert. Dieser Trend sollte sich im aktuellen konjunkturellen Umfeld noch fortsetzen, so dass weitere Kurs-steigerungen auch fundamental unterstützt werden. Unseres Erachtens wird jedoch eine stärkere Branchenselektion wichtig für den Erfolg sein.


Ausblick Rentenmärkte


Global sind die Anleiherenditen deutlich angestiegen. Steigende Inflationserwartungen sowie ein sich verbesserndes konjunkturelles Umfeld haben die Renditen auf den höchsten Stand seit Frühjahr diesen Jahres getrieben.

Besonders steile Zinsanstiege waren in einigen Schwellenländern als Reaktion auf die US-Wahl zu beobachten. Aber auch die Renditen italienischer Staatsanleihen haben im Vorfeld des Verfassungs-referendums am 04. Dezember deutlich zugelegt. Mittlerweile liegen die Zinsaufschläge 10-jähriger italienischer Staatsanleihen gegenüber deutschen Staatsanleihen so hoch wie seit zwei Jahren nicht mehr.

Auch wenn die Zeit extrem niedriger und negativer Renditen wohl vorbei sein dürfte und sich in einigen Bereichen wieder deutlich positive reale Renditen nach Abzug der aktuellen Inflationsraten bieten, rechnen wir nicht mit einem weiteren deutlichen Zinsanstieg. Es handelt sich eher um eine Normalisierung eines vorab zu stark sinkenden Renditeniveaus. Besonders in der Eurozone haben die geldpolitischen Maßnahmen der EZB zu gelegentlichen Übertreibungen geführt, die sich allmählich wieder normalisieren.

Weltbild zum November 2016