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Aktuelles Weltbild

Eine alte Börsenweisheit besagt, dass politische Börsen kurze Beine haben. Gemeint ist damit, dass der Einfluss von politischen Ereignissen auf Aktienkurse nicht lange anhält. Es hat den Anschein, als bekämen die Börsen derzeit immer kürzere Beine. Der Brexit-Schock war an den Märkten nach zwei Wochen verdaut, die Nervosität nach Trumps Wahlsieg dauerte keine zwei Stunden und die Ablehnung des italienischen Verfassungsreferendums mit dem anschließenden Rücktritt von Premier Renzi irritierte die Investoren noch nicht einmal zwei Minuten. Im Gegenteil: Die Anzeichen für einen guten Jahresausklang mehren sich. Hoffnungen auf eine weitere Konjunkturbelebung in den USA durch die vom neuen Präsidenten Trump im Wahlkampf versprochenen Maßnahmen sowie auf eine weiterhin expansive Geldpolitik in der Eurozone haben die politischen Sorgen erst einmal verdrängt.

Gesamtwirtschaftliches Umfeld

  • In der Eurozone wird im nächsten Jahr eine leichte Abschwächung des Wachstums erwartet. Vor allem in Frankreich und Italien stockt weiterhin die Reformbereitschaft; damit fehlen positive Wachstumsimpulse.
  • Für die USA rechnet man mit einer Zunahme des Wachstums, sollte Trump seine Wahlversprechen einlösen.
  • Auch in Japan hat sich zuletzt die Stimmung deutlich aufgehellt und die wirtschaftliche Dynamik leicht zugelegt.
  • In den Schwellenländern wird vor allem für Brasilien und Russland eine Rückkehr zu positiven Wachstumsraten erwartet.

Notenbankpolitik

  • Die EZB bleibt mit der Verlängerung des Kaufprogramms für Anleihen bis Dezember 2017 weiter sehr expansiv ausgerichtet.
  • Die amerikanische Notenbank FED dürfte im Dezember erstmals in diesem Jahr die Zinsen anheben. Auch für nächstes Jahr werden weitere Zinsschritte erwartet. Insgesamt bleibt die Geldpolitik in den USA aber immer noch unterstützend für die Wirtschaft.

Währungen

  • Die deutlich gestiegenen Zinsen in den USA und die besseren Wirtschaftsaussichten haben den US-Dollar teilweise deutlich aufwerten lassen.
  • Rohstoffabhängige Währungen konnten sich ebenfalls deutlich erholen.
  • Asiatische Währungen wie der chinesische Renminbi und vor allem der japanische Yen haben hingegen abgewertet, was der heimischen Exportwirtschaft Vorteile verschafft.

Aktienmärkte

  • Die Aktienmärkte zeigen sich aktuell resistent gegen politische Störungen jeglicher Art. Man vertraut stattdessen auf die Macht der Notenbanken.
  • Eine weiterhin expansive Geldpolitik in der Eurozone und Japan sowie nur moderate Zinsschritte in den USA lassen die Risikobereitschaft zunehmen.
  • Gleichzeitig steigen die Gewinnerwartungen, so dass die steigenden Aktienkurse nicht zu höheren Aktienbewertungen führen.

Rentenmärkte

  • Die Zeit der extrem negativen Renditen scheint wohl vorbei zu sein. Weltweit steigen die Renditen zum Teil deutlich.
  • Kräftig angezogene Rohstoffpreise sowie die Aussicht auf ein umfangreiches Konjunkturprogramm in den USA lassen Inflationserwartungen und damit die Renditen steigen.
 

Gesamtwirtschaftliches /monetäres Umfeld

 

Die Entwicklung der Weltkonjunktur wird nach unterschiedlichen Verläufen zu Jahresbeginn immer homogener. Die Volkswirtschaften in den USA und der Eurozone wachsen weiterhin moderat. Das chinesische Wachstum hat sich stabilisiert und Befürchtungen über einen stärkeren Abschwung sind derzeit verflogen. In Japan zeigt sich nach einer längeren Phase der Stagnation eine Zunahme der wirtschaftlichen Aktivität. In etlichen Schwellen-ländern, vor allem in Russland und Brasilien, werden nach der aktuellen Rezession im nächsten Jahr wieder positive Wachstumsraten erwartet.

Die Notenbanken unterstützen weiterhin mit ihrer Geldpolitik. Vor allem die EZB, die auf ihrer letzten Sitzung eine Verlängerung des bislang bis März 2017 angelegten Anleihenkaufprogramms zur Stützung der Konjunktur beschlossen hat, wird weiterhin umfangreich Liquidität zur Verfügung stellen. Auch wenn ab April das Volumen der monatlichen Käufe um 20 Mrd. EUR reduziert wird, werden bis Ende 2017 Anleihen im Volumen von knapp 800 Mrd. EUR von der EZB aufgekauft. Die Bilanzsumme der EZB wird sich dadurch gegenüber Ende 2005 nahezu vervierfacht haben.

Die amerikanische Notenbank FED wird hingegen auch im nächsten Jahr die Zinsen weiter anheben. Aktuell erwartet der Markt eine Zinsanhebung bis Ende 2017 auf 1,0% – 1,25%. Insgesamt ein Niveau, das die wirtschaftliche Entwicklung in den USA nicht nachhaltig stören sollte. Dennoch werden die Notenbanken auch zukünftig die Entwicklung der Inflation beobachten und gegebenenfalls stärker eingreifen als bisher erwartet.

Unter dem Strich bleiben die Rahmenbedingungen für ein weiteres solides Wachstum der Weltwirtschaft gut.

 

Ausblick Aktienmärkte

 

Das turbulente Aktienjahr 2017 scheint zum Schluss doch noch ein versöhnliches Ende zu nehmen. Nach dramatischen Kurseinbrüchen zu Jahresanfang, den Turbulenzen um den Brexit und die Wahl Donald Trumps hat wohl niemand mehr mit Jahres-höchstkursen oder sogar historischen Höchstkursen am US-Aktienmarkt gerechnet. Jedoch gab es seit dem Sommer einen deutlichen Favoritenwechsel: Aktien aus defensiven Branchen, die aufgrund stabiler Dividenden oft als Ersatz für festverzinsliche Anlagen gehalten wurden, verloren zum Teil deutlich. Im Gegenzug konnten sich Aktien aus der Finanzbranche als Hauptprofiteur steigender Zinsen sowie Aktien aus konjunkturabhängigen Branchen wie Bau und Industrieunternehmen deutlich positiver entwickeln. Mit den steigenden Aktienkursen haben sich auch die Gewinnerwartungen für die kommenden Monate nach oben entwickelt, so dass sich die Bewertungen nicht weiter verteuert haben. Insgesamt bleiben die Aktienmärkte fair bewertet und bieten auch für das nächste Jahr moderates Aufwärtspotential. Dennoch bleiben auch Risiken, vor allem von geopolitischer Seite: Die britische Regierung muss versuchen, einen Brexit-Fahrplan vorzulegen, in den Niederlanden und Frankreich stehen wichtige Wahlen an und der Amtsantritt Donald Trumps ist mit vielen Erwartungen verbunden, die erst einmal erfüllt werden müssen. Genügend Möglichkeiten für eine entsprechend hohe Volatilität an den Märkten.

 

Ausblick Rentenmärkte

 

Die Zeit der extrem niedrigen und zum Teil negativen Renditen für erstklassige Staatsanleihen scheint wohl endgültig vorbei zu sein. Weltweit sehen wir zum Teil deutlich ansteigende Renditen. Steigende Inflationserwartungen unterstützen zudem den Trend zu höheren Renditen. In den USA plant der neue Präsident Trump ein umfangreiches Investitionsprogramm in die heimische Infrastruktur, begleitet von kräftigen Steuersenkungen. Die höheren Staatsausgaben können nur über zusätzliche Staatsverschuldung finanziert werden, was mit zeitgleich steigenden Inflationserwartungen die Renditen von US-Anleihen merklich nach oben getrieben hat. Im Fahrwasser dieses Renditeanstieges haben sich auch langlaufende deutsche Staatsanleihen spürbar in den positiven Renditebereich bewegt.

Auch wenn wieder zum Teil attraktive positive Renditen bei festverzinslichen Anlagen zu erzielen sind, bleiben Investments in diesem Bereich herausfordernd: Steigende Inflationsraten sowie ein weiter moderat steigendes Renditeniveau können reale Erträge sehr schnell negativ werden lassen. Einen gewissen Schutz bieten inflationsgeschützte Anleihen. Darüber hinaus sollte man weiterhin im eher mittleren Laufzeitbereich investiert bleiben . Anleihen in Fremdwährungen können zudem zusätzliche Ertragsquellen in Form von höheren Zinsen sowie zusätzlichen Devisenkursgewinnen liefern.

Weltbild zum Dezember 2016