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Weltbild Februar 2017

Die Kapitalmärkte blicken recht zuversichtlich ins neue Jahr: Das konjunkturelle Bild hat sich leicht verbessert. Vor allem in den USA hofft man auf konjunkturstimulierende Maßnahmen durch den neuen Präsidenten Trump. Die Notenbanken, allen voran in Europa und Japan, bleiben sehr expansiv. Anders die Situation in den USA, wo die FED für das laufende Jahr weitere Zinserhöhungen angekündigt hat. Aber auch dies sollte die US-Wirtschaft nicht aus dem Tritt bringen. Der teils deutliche Anstieg der Inflationsraten, ausgelöst durch gestiegene Energiepreise, sollte sich in den nächsten Monaten nicht weiter fortsetzen. Politische Entscheidungen könnten die momentan positive Grundstimmung empfindlich eintrüben, so dass ein nicht zu unterschätzendes Restrisiko erhalten bleibt.

Gesamtwirtschaftliches Umfeld

  • Die Skepsis gegenüber den europäischen Volkswirtschaften als Reaktion auf das Brexit-Votum ist wieder gesunken. Insgesamt wird mit einem weiter soliden Wachstum gerechnet
  • Nach einer Wachstumsdelle im letzten Jahr wird die USA mittlerweile wieder optimistischer betrachtet. Zusätzliche Impulse erhofft man sich von der neuen US-Regierung.
  • China wird weniger kritisch als noch Anfang letzten Jahres betrachtet. In Russland und Brasilien wird allgemein mit einer Erholung gerechnet.
  • In Japan wird eine Zunahme der wirtschaftlichen Aktivitäten erwartet.

Notenbankpolitik

  • Die Notenbanken der Eurozone und Japans bleiben in ihrer Geldpolitik weiterhin außergewöhnlich locker.
  • Die amerikanische Notenbank FED wird nach ihrer Zinserhöhung vom Dezember letzten Jahres weitere Zinserhöhungen vornehmen. Dennoch sollten die erwarteten drei Zinsschritte für 2017 die US-Wirtschaft nicht belasten. Die sich ausweitende Zinsdifferenz kann zu einem weiter steigenden US-Dollar führen.

Währungen

  • Der US-Dollar wird sich wegen der größer werdenden Zinsdifferenz sowie besserer Wachstumsaussichten in den USA tendenziell weiter verteuern.
  • Asiatische Währungen sowie rohstoffabhängige Währungen haben zuletzt deutlich aufgewertet.

Aktienmärkte

  • Das fundamentale Umfeld für Aktien hat sich weiter verbessert. Steigende Unternehmens-gewinne sowie sich verbessernde Konjunkturaussichten wirken unterstützend.
  • Politische Risiken wie wichtige Wahlen in Frankreich und den Niederlanden sowie zunehmender Protektionismus im Welthandel werden derzeit ausgeblendet.

Rentenmärkte

  • Der Zinsanstieg bei Staatsanleihen nach der US-Wahl ist vorerst gestoppt. Die Zeit der extremen Niedrigzinsen ist aber wohl vorbei.
  • In Europa sind – anders als an den Aktienmärkten – die politischen Risiken stärker erkennbar. Der Zinsaufschlag französischer Staatsanleihen hat sich wegen des unsicheren Wahlausgangs deutlich ausgeweitet.
 

Gesamtwirtschaftliches /monetäres Umfeld

 

Die Voraussetzungen für ein stabiles Wachstum in den größten Volkswirtschaften sind weiterhin freundlich: Die Notenbanken in Europa und Japan bleiben expansiv und die amerikanische FED wird mit erwartet drei Zinserhöhungen dieses Jahr nur moderat an der Zinsschraube drehen. Insgesamt sollte das Zinsniveau in den USA die dortige wirtschaftliche Entwicklung weiterhin unterstützen. Hinzu kommen die Erwartungen hinsichtlich zusätzlicher stimulierender Maßnahmen in den USA: Steuersenkungen sowie staatliche Infrastruktur-programme können für zusätzliche Dynamik sorgen. Die Frage nach der Finanzierbarkeit stellt sich derzeit keiner, auch die zunehmend protektionistische Rhetorik der neuen US-Regierung sorgt noch nicht für nachhaltige Verstimmung. Es existiert jedoch ein gewisses Enttäuschungspotenzial, sollten die versprochenen Maßnahmen nicht oder nur teilweise umgesetzt werden.

Auch in Europa könnte der positive konjunkturelle Ausblick durch politische Einflüsse getrübt werden: Im Falle eines derzeit unwahrscheinlichen Wahlsieges des rechtsgerichteten FN und seiner Kandidatin Le Pen bei den französischen Präsidentschaftswahlen drohen politische Turbulenzen, die sich auch an den europäischen Kapitalmärkten deutlich niederschlagen würden. Aufgrund der Erfahrungen des letzten Jahres ist man derzeit bei der Eintrittswahrscheinlichkeit politischer Umfragen vorsichtiger geworden.

Die größer werdende Zinsdifferenz der Notenbank-sätze und damit die erwartete Aufwertung des US-Dollar hilft jedoch vor allem den stark exportabhängigen Volkswirtschaften Europas und Japans, was zur Stabilisierung beiträgt.

 

Ausblick Aktienmärkte

 

Die globalen Aktienmärkte profitieren derzeit von einer sich verbesserten Entwicklung der Unternehmensgewinne sowie eines zunehmenden Konjunkturoptimismus. Auch wenn sich die Bewertungsniveaus im historischen Vergleich bestenfalls im neutralen Bereich bewegen, sind Aktien gegenüber Staatsanleihen – gemessen an der Dividenden- und Gewinnrendite – eher günstig.

Die erwartete Volatilität als Maß für Kursrisiken am Aktienmarkt liegt zudem auf mehrjährigen Tiefstständen. Aktieninvestoren blenden politische Risiken derzeit aus. Dementsprechend heftig könnten Kursreaktionen im Falle von negativen Überraschungen ausfallen.

Prognosen über den Wahlausgang vor allem in Frankreich sowie politische Entscheidungen in Washington werden jedoch genau beobachtet. Mögliche Auswirkungen auf Aktienmärkte und Branchen werden unserer Meinung nach in den nächsten Monaten für eine erhöhte Volatilität sorgen. Derzeit kann man jedoch davon ausgehen, dass die derzeit gute Stimmung am Aktienmarkt noch eine Weile erhalten bleibt.

 

Ausblick Rentenmärkte

 

Die Zeit der extrem niedrigen und zum Teil negativen Renditen für erstklassige Staatsanleihen scheint wohl endgültig vorbei zu sein. Weltweit sehen wir zum Teil deutlich ansteigende Renditen. Steigende Inflationserwartungen unterstützen zudem den Trend zu höheren Renditen. In den USA plant der neue Präsident Trump ein umfangreiches Investitionsprogramm in die heimische Infrastruktur, begleitet von kräftigen Steuersenkungen. Die höheren Staatsausgaben können nur über zusätzliche Staatsverschuldung finanziert werden, was mit zeitgleich steigenden Inflationserwartungen die Renditen von US-Anleihen merklich nach oben getrieben hat. Im Fahrwasser dieses Renditeanstieges haben sich auch langlaufende deutsche Staatsanleihen spürbar in den positiven Renditebereich bewegt.

Bei Anleihen der Eurozone zeigt sich jedoch – anders als an den Aktienmärkten – eine zunehmende Risikoaversion: Die Zinsunterschiede französischer zu deutsche Staatsanleihen haben sich ausgeweitet. Deutsche Staatsanleihen vor allem im kurzen Laufzeitbereich bis zu zwei Jahren sind auf Rekordstände von nahezu -1,0% gefallen. In Zeiten zunehmender politischer Unsicherheiten ist man bereit, für Sicherheit Geld in Form negativer Zinsen zu zahlen.

Die Inflationsrate in Europa dürfte sich von dem aktuellen Niveau von ca. 2% in den nächsten Monaten wieder leicht zurückbilden. Die EZB bleibt weiterhin sehr locker in ihrer Geldpolitik. Einigermaßen attraktive Renditeniveaus sind derzeit nur im Segment der Hochzinsanleihen oder außerhalb des Euro-Raumes zu finden.

Weltbild zum Februar 2017