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Weltbild August 2017

Nachlassende politische Risiken in Europa und eine sich verbessernde Weltkonjunktur haben im ersten Halbjahr zu teilweise zweistelligen Aktienmarktrenditen geführt. Allerdings hat der feste Euro vor allem zum US-Dollar die Kursgewinne bei amerikanischen Aktien nahezu komplett aufgefressen. Die Befürchtungen einer restriktiver werdenden Geldpolitik haben sich hingegen bisher nicht bewahrheitet. Die zunehmenden Spannungen zwischen Nordkorea und den USA führten jedoch zu einer abnehmenden Risikobereitschaft der Investoren: Sichere Häfen wie Bundesanleihen, Gold oder der Schweizer Franken waren gefragt, während Aktien weltweit empfindliche Kursverluste zu verzeichnen hatten.

Gesamtwirtschaftliches Umfeld

  • Der globale Wachstumstrend in allen großen Wirtschaftsregionen ist weiter intakt.
  • Besonders in Europa hat die Dynamik stärker zugelegt. Abnehmende politische Risiken sowie eine stärkere Binnennachfrage wirken unterstützend.
  • Auch in Japan und den asiatischen Schwellen-ländern ist eine Konjunkturabschwächung nicht in Sicht.
  • Derzeit sieht es danach aus, dass der positive Wachstumstrend bis ins nächste Jahr anhalten wird.

Notenbankpolitik

  • Der Preisauftrieb zu Beginn des Jahres hat sich nicht weiter fortgesetzt. Wir sehen derzeit auch kein Potential für deutlich anziehende Inflationsraten.
  • Fehlender Inflationsdruck nimmt Druck von den Notenbanken, die expansive Geldpolitik deutlich zurück zu fahren. In Europa rechnen wir erst 2018 mit einer langsamen Änderung der bisherigen Maßnahmen.

Währungen

  • Der Euro konnte sich gegenüber den wichtigsten Währungen deutlich aufwerten.
  • Die größer werdende Zinsdifferenz zu Gunsten des US-Dollar hat die Aufwertung nicht stoppen können.
  • Kurzfristig spielen politische Faktoren eine stärkere Rolle bei den Wechselkursen.

Aktienmärkte

  • Die Gewinnentwicklung gerade europäischer Unternehmen war im ersten Halbjahr positiv, zudem wurden die Schätzungen bis in 2018 hinein nach oben angepasst.
  • Kurzfristig belasten jedoch politische Faktoren die Kursentwicklung. Zudem droht in den USA Ende September ein erneutes Erreichen des Schuldenlimits der öffentlichen Haushalte.
  • Erst bei einer deutlichen politischen Entspannung rechnen wir mit einer Fortsetzung des Aufwärtstrends.

Rentenmärkte

  • In vielen Anleihebereichen liegen die Renditen weiterhin unterhalb der Inflationsrate.
  • Unternehmensanleihen gerade schlechterer Qualität haben von den besseren Konjunktur-aussichten profitiert. Dadurch liegen die Zinsaufschläge gegenüber Staatsanleihen auf sehr niedrigen Niveaus und bieten kaum noch wesentliche Renditevorteile.
 

Gesamtwirtschaftliches /monetäres Umfeld

 

Die Stimmung in der Wirtschaft und auch bei den Konsumenten ist so gut wie lange nicht mehr. Niedrige Arbeitslosigkeit, geringe Inflation sowie eine bessere konjunkturelle Entwicklung wichtiger Exportmärkte lassen eine Fortsetzung der Aufschwungphase bis in das nächste Jahr erwarten.

Besonders in den Volkswirtschaften der Eurozone ist man so positiv gestimmt wie schon lange nicht mehr. Eine stärkere Binnennachfrage sowie ein weiterhin starker Export sind die Haupttreiber.

Sollte sich allerdings die Aufwertung des Euro besonders gegen den US-Dollar weiter fortsetzen, könnte sich das Bild in 2018 doch etwas eintrüben. Vor allem die exportstarke deutsche Wirtschaft würde dadurch mittelfristig an Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Allerdings ist gerade in einigen Volkswirtschaften der europäischen Peripherie eine Zunahme der Investitionen erkennbar, was die negativen Auswirkungen der Euro-Stärke etwas kompensieren könnte. Auch die nach dem Regierungswechsel in Frankreich erhofften politischen Reformen könnten für zusätzliche Nachfrage sorgen.

In den USA hingegen haben sich die Hoffnungen auf deutlich stimulierende Maßnahmen nahezu vollständig zerschlagen. Große Investitionsprogramme in die heimische Infrastruktur sowie eine umfangreiche Steuerreform scheinen derzeit nicht umsetzbar zu sein. Dennoch erwarten wir für die USA ein im Vergleich zum Vorjahr höheres Wachstum, was durch die derzeitige Dollar-abwertung noch zusätzlich unterstützt wird.

 

Ausblick Aktienmärkte

 

Grundsätzlich stehen die Börsenampeln weiterhin auf grün: Ein Anziehen der Weltkonjunktur in Verbindung mit niedrigen Inflationsraten wird auch als „Goldielocks Economy“ bezeichnet. In Verbindung mit steigenden Unternehmensgewinnen sowie einer weiterhin expansiven Geldpolitik ist damit der Nährboden für weitere Kursgewinne bereitet.

Kurzfristig belasten jedoch politische Risiken die Stimmung. Das – zumindest verbale – Säbelrasseln der Staatschefs der USA und Nordkoreas haben für erhöhte Nervosität und größere Kursverluste gesorgt. Ein Thema, das derzeit noch nicht auf der Agenda der Investoren steht, ist zudem ein möglicher „government shutdown“ in den USA: Wahrscheinlich Ende September wird die Staatsverschuldung der USA an ihr gesetzliches Limit kommen. Sollte bis dahin keine Einigung über eine Anhebung des Limits erfolgen, droht ein Stillstand wie zuletzt im Oktober 2013.

Auch wenn das Umfeld für weiter steigende Kurse spricht, rechnen wir in den nächsten Wochen aufgrund der derzeitigen Unsicherheiten mit größeren Schwankungen an den Aktienmärkten.

 

Ausblick Rentenmärkte

 

Fehlender Inflationsdruck sowie nur moderate Änderungen der Geldpolitik ab 2018 verhindern einen deutlichen Renditeanstieg bei Anleihen. Damit ist auch weiterhin in vielen Anleihebereichen nach Abzug der Inflationsrate ein realer Kapitalverlust zu verzeichnen.

Das anhaltende Anleihekaufprogramm der EZB hat zudem zu einer zusätzlichen Verknappung am Anleihemarkt geführt. Dadurch sind die Rendite-aufschläge von Unternehmensanleihen zu Staats-anleihen deutlich gesunken.

Durch den starken Rückgang einiger Währungen zum Euro ist das Einstiegsniveau für Fremdwährungsanleihen wieder attraktiver geworden, zumal eine grundsätzlich höhere nominelle Rendite erzielt werden kann als in Euro-Anleihen.

Weltbild August 2017