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Weltbild September 2017

Mit deutlichen Kursgewinnen haben vor allem Aktien aus der Eurozone das dritte Quartal beendet, doch auch Aktienmärkte außerhalb des Euroraums zeigten sich sehr freundlich. Weder der Ausgang der Bundestagswahl mit nun bevorstehenden schwierigen Koalitionsverhandlungen noch die Ankündigung der amerikanischen Notenbank, ab Oktober ihre Bestände an Anleihen schrittweise reduzieren sowie weitere Zinserhöhungen im nächsten Jahr vornehmen zu wollen, konnten die Stimmung trüben. Der Ausblick auf eine Fortsetzung des wirtschaftlichen Aufschwungs weit in das nächste Jahr hinein bei weiterhin niedrigen Inflationsraten und niedrigen Zinsen war der Haupttreiber für die gute Stimmung bei den Anlegern.

Gesamtwirtschaftliches Umfeld

  • Das Wachstum in den wichtigsten Industrieländern hat deutlich an Dynamik gewonnen. Derzeit ist kein Ende des bereits 8-jährigen Aufschwungs in Sicht.
  • Die Inflation ist dabei weiterhin niedrig, so dass die Notenbanken nur langsam eine Normalisierung ihrer bisher sehr expansiven Geldpolitik vornehmen werden.
  • Dieses positive wirtschaftliche Umfeld wird ebenfalls für 2018 erwartet.

Notenbankpolitik

  • Die amerikanische Notenbank FED beginnt als erste mit einer langsamen Normalisierung der Geldpolitik. Bei der EZB werden Anfang nächsten Jahres kleinere Änderungen ihres bisherigen Anleihekaufprogrammes erwartet.
  • Fehlender Inflationsdruck lässt aber eine stärkere Straffung der geldpolitischen Zügel nicht zu.

Währungen

  • Der US-Dollar konnte bisher nicht von einem größer werdenden Zinsvorsprung gegenüber dem Euro profitieren.
  • In der seit Jahresbeginn andauernden Euro-Stärke zeigt sich das Vertrauen der Investoren in die fundamentale und politische Stabilität des Währungsraums einerseits und die Zuversicht einer wirtschaftlichen Dynamik andererseits.
  • Die Bestrebungen Kataloniens zur Abspaltung von Spanien sowie die bisher chaotisch verlaufenden Brexit-Verhandlungen könnten jedoch kurzfristig den Kurs des Euro belasten.

Aktienmärkte

  • Nach einer kurzen Schwächephase im Sommer legten die Aktienmärkte wieder deutlich zu.
  • Bessere Konjunkturaussichten waren der Haupttreiber. Leichte Anpassungen der Geldpolitik haben hingegen nicht belastet.
  • Steigende Gewinnerwartungen seitens der Analysten unterstützten den Kursanstieg europäischer Aktien, während US-Aktien vergleichsweise teuer bewertet sind.

Rentenmärkte

  • Eine erwartete leichte Normalisierung der Geldpolitik hat zuletzt zu ansteigenden Renditen geführt.
  • Dieser Trend wird sich in den nächsten Monaten fortsetzen.
  • Ein moderater Anstieg der Inflationsraten verhindert jedoch einen deutlich stärkeren Anstieg des Zinsniveaus.
 

Gesamtwirtschaftliches /monetäres Umfeld

 

Der Optimismus in der Industrie wie auch hinsichtlich des Wachstums in den großen Volkswirtschaften hat in den letzten Wochen wieder deutlich zugenommen. Wichtige Stimmungsindikatoren notieren auf Niveaus wie zuletzt vor der Finanzkrise. Die gute konjunkturelle Verfassung ist daher auch für die Zentralbanken ein Anlass, die jahrelange expansive Geldpolitik langsam zu normalisieren. In den letzten 10 Jahren pumpten die Zentralbanken der USA, der Eurozone und Japans 10 Billionen US-Dollar an Liquidität in die Märkte, gut ein Viertel der aktuellen Wirtschaftsleistung dieser drei Regionen.

Die amerikanische FED wird als erste Notenbank beginnen, einen Teil dieser Liquidität wieder zu reduzieren. In den nächsten Jahren wird sie auslaufende Anleihen, die während der Finanzkrise gekauft wurden, nicht in vollem Umfang reinvestieren. Bis zum Jahr 2020 werden geschätzt 1,6 Billionen USD dem Markt an Liquidität entzogen. Auch die EZB wird aller Voraussicht nach im nächsten Jahr die Anleihekäufe von derzeit 60 Mrd. Euro/Monat schrittweise verringern und möglicherweise Ende 2018 komplett auslaufen Lassen. Insgesamt stufen die Zentralbanken die Verfassung der Wirtschaft als so stabil ein, dass diese Maßnahmen wohl ohne negative Wirkungen eingeleitet werden können. Eine Normalisierung der Geldpolitik auf das Vorkrisenniveau wird jedoch noch lange auf sich warten lassen. Damit bleibt das monetäre Umfeld weiterhin unterstützend.

 

Ausblick Aktienmärkte

 

Nach einer Schwächephase im Sommer haben die Aktienmärkte im September wieder deutlich zugelegt. Die Notierungen der meisten Indizes konnten dabei neue historische Höchststände erreichen.

Gerade in der Eurozone sind die Kursgewinne des laufenden Jahres größtenteils durch höher erwartete Unternehmensgewinne begleitet worden, so dass sich die Bewertungen nur moderat ausgeweitet haben. Auch wenn die europäischen Indizes mit den aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnissen auf den ersten Blick weiterhin eher teuer erscheinen, relativiert sich diese Bewertung im Vergleich zu den extrem niedrigen Zinsen von risikolosen Anleihen. Die daraus resultierende Risikoprämie für Aktien notiert immer noch auf einem hohen Niveau und rechtfertigt höhere Kursnotierungen. Anders hingegen ist die Situation in den USA: Steigende Aktienkurse haben zu deutlich höheren Bewertungen geführt, da die Prognosen für die Entwicklung der Unternehmens-gewinne kaum nach oben revidiert wurden. Im Vergleich zu den europäischen Aktienmärkten sind US-Aktien derzeit deutlich teurer bewertet. Unterstützt durch die konjunkturelle Situation und die nur moderaten Anpassungen der Geldpolitik sehen wir jedoch ungeachtet der erreichten Bewertungsniveaus Spielraum für weitere Kursgewinne an den internationalen Aktienmärkten.

 

Ausblick Rentenmärkte

 

Die anstehende leichte Normalisierung der Geldpolitik hat zu ansteigenden Renditen am Anleihemarkt geführt. Negative Renditen bei 10-jährigen Bundesanleihen, wie zuletzt kurz nach dem Brexit-Referendum im Juli letzten Jahres, scheinen endgültig der Vergangenheit anzugehören. Wir erwarten auch in den nächsten Monaten einen leichten Anstieg der Renditen. Dennoch wird sich das Zinsniveau von Staatsanleihen auch weiterhin meist unterhalb der Inflationsraten bewegen, was einen realen Kapitalverlust bedeutet. Gerade in der Eurozone hat das Kaufprogramm der EZB zu deutlich niedrigeren Renditeaufschlägen von Unternehmensanleihen zu Staatsanleihen geführt, was neue Investments in diesem Segment unattraktiv erscheinen lassen.

Dennoch sind solche Anleihen als Stabilisator in einem diversifizierten Portfolio unerlässlich. Beimischungen von höher rentierlichen Anleihen, beispielsweise unterhalb eines Investment-Grade Ratings bzw. in anderen Währungen, bringen zusätzliche Ertragsquellen, erfordern aber auch ein aktiveres Management.

Investments in längeren Laufzeiten sind derzeit aufgrund der Zinsänderungsrisiken zu vermeiden. Einen gewissen Schutz im Umfeld steigender Zinsen bieten Inflationsgeschützte Anleihen, die ebenfalls als Beimischung geeignet sind.

Weltbild September 2017