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Weltbild Mai 2018

Aufkommende Zinsängste sowie eine nachlassende konjunkturelle Dynamik vor allem in Europa haben im Februar und März die Aktienmärkte belastet. Zusätzlich drückte ein drohender Handelskrieg zwischen den USA und China bzw. den Ländern der Eurozone auf die Stimmung. Per Ende März haben Aktien aus Europa und Japan gegenüber Jahresanfang ca. 8% Kursverluste zu verzeichnen gehabt. Lediglich US-Aktien konnten das Niveau vom Jahresanfang halten. In den letzten Wochen wiederum hat eine sehr gute Berichtssaison der Unternehmen wieder für deutlich steigende Kursen gesorgt. Weiter steigende Zinsen von US-Staatsanleihen, politische Spannungen nach Aufkündigung des Atomabkommens mit dem Iran seitens der USA wie auch die Regierungsbildung in Italien konnten die Aufwärtsbewegung nicht stoppen.

Gesamtwirtschaftliches Umfeld

  • Nach der sehr guten konjunkturellen Entwicklung im letzten Jahr wird sich die Wirtschaft in Europa auch in diesem Jahr ähnlich positiv entwickeln. Eine zusätzliche Dynamik erwarten wir hingegen nicht.
  • In den USA hingegen hat die Steuerreform für zusätzliche Impulse gesorgt. Das Wachstum der US-Wirtschaft wird 2018 deutlich höher erwartet als noch im Vorjahr. Insgesamt befindet sich die Weltwirtschaft auf einem sehr homogenen Wachstumskurs.
  • Die gesamte Weltwirtschaft befindet sich auf einem sehr homogenen Wachstumskurs.

Notenbankpolitik

  • Der Zinserhöhungspfad der amerikanischen Notenbank FED wird sich in den kommenden Monaten fortsetzen. Marktteilnehmer erwarten bis zu vier weitere Zinserhöhungen bis 2019.
  • In der Eurozone hingegen werden erste Zinserhöhungsmaßnahmen nicht vor Sommer 2019 erwartet. Es wird allerdings zu einem Ende der Anleihekäufe spätestens Ende des Jahres kommen. Damit bereitet auch die EZB einen allmählichen Ausstieg aus der sehr expansiven Geldpolitik vor.

Währungen

  • Die Stärke des Euro seit Anfang 2017 ist erst einmal gestoppt. Seit Mitte April hat sich der US-Dollar deutlich aufgewertet.
  • Vor allem Währungen aus den Schwellenländern waren sehr schwach zum US-Dollar. Steigende US-Zinsen belasten vor allem Länder mit einer hohen Auslandsverschuldung wie z.B. Argentinien und Türkei.

Aktienmärkte

  • Das Umfeld für die Aktienmärkte bleibt weiterhin positiv. Eine robuste Weltkonjunktur sowie steigende Unternehmensgewinne sind hier die Haupttreiber.
  • Allerdings rechnen wir nach den Kursgewinnen der letzten Wochen bis knapp unter die historischen Höchstkurse kurzfristig nicht mit weiter steigenden Kursen.
  • Belastend wirken vor allem politische Faktoren wie der schwelende Handelskonflikt und die Regierungsbildung in Italien.

Rentenmärkte

  • Vor allem in den USA hat sich der Zinsanstieg fortgesetzt.
  • Deutsche Bundesanleihen haben sich gegenüber Februar in der Rendite leicht zurück gebildet.
  • Die Bildung einer populistischen Regierung in Italien hat die Zinsen von Anleihen aus der Peripherie deutlich ansteigen lassen.
 

Gesamtwirtschaftliches /monetäres Umfeld

 

Die Weltwirtschaft wird nach Meinung des Internationalen Währungsfonds auch im laufenden Jahr deutlich zulegen. Die Schätzungen für das globale Wachstum liegen bei 3,9%. Dabei verläuft das Wachstum so homogen wie noch nie: von 192 untersuchten Volkswirtschaften werden nur 8 Länder, die insgesamt 0,3% der globalen Wirtschaftsleistung ausmachen, in einer Rezession sein. Es mehren sich allerdings die Anzeichen, dass wir uns im Spätzyklus der Aufwärtsbewegung befinden. Vor allem in den USA ist die Rendite der Staatsanleihen deutlich gestiegen, wobei die Renditen kurzlaufender Staatsanleihen stärker gestiegen sind als die von längeren Anleihen. Die dadurch sehr flach gewordene Zinskurve war in der Vergangenheit ein zuverlässiger Frühindikator für eine kommende Abkühlung der Wirtschaft bis hin zu einer Rezession.

Auch in den Ländern der Eurozone zeigt sich bei den seit einiger Zeit sinkenden Stimmungsindikatoren, dass die Dynamik der letzten beiden Jahre nicht fortgesetzt wird. Zudem wird auch die EZB Ende des Jahres den Weg zu einer Normalisierung der Geldpolitik einschlagen, genau drei Jahre nach der ersten Zinserhöhung der amerikanischen Notenbank. Derzeit deutet jedoch nichts darauf hin, dass bereits im laufenden Jahr mit einer deutlichen Abkühlung der wirtschaftlichen Entwicklung zu rechnen ist. Für 2019 und darüber hinaus wird das monetäre Umfeld hingegen weniger unterstützend wirken, so dass für die nächsten Jahre mit einer Abkühlung der Weltwirtschaft zu rechnen ist.

 

Ausblick Aktienmärkte

 

Nach den Kursturbulenzen im Februar und März haben die Aktienmärkte wieder deutliche Kursgewinne verzeichnen können. Haupttreiber war ein größerer Konjunkturoptimismus als noch zum Ende des vergangenen Jahres und deutliche Gewinnsteigerungen vor allem US-amerikanischer Unternehmen. Politische Risiken wie ein möglicher Handelskrieg ausgehend von den USA oder politische Spannungen im Nahen Osten nach der einseitigen Aufkündigung des Atomabkommens mit dem Iran durch die USA wurden dabei komplett ausgeblendet.

Erst in den letzten Tagen sind diese Risiken wieder verstärkt wahrgenommen worden. Hinzu kamen Unsicherheiten hinsichtlich des Gipfeltreffens zwischen USA und Nordkorea sowie die Bildung einer populistischen und eurokritischen Regierung in Italien.

Die Aktienmärkte sind aktuell weiterhin attraktiv bewertet, zumal die Kurssteigerungen der vergangenen Monate durch entsprechende Gewinnsteigerungen der Unternehmen fundamental untermauert wurden. Kurzfristig belasten jedoch die politischen Risiken sowie das deutlich gestiegene Zinsniveau in den USA.

 

Ausblick Rentenmärkte

 

Die Zinsentwicklung in den großen Volkswirtschaften verlief in den letzten Wochen unterschiedlich. In den USA stehen die Renditen der zehnjährigen Anleihen so hoch wie seit Mitte 2011 nicht mehr und sind inzwischen auf drei Prozent geklettert. Deutsche Bundesanleihen hingegen bildeten sich von der Rendite wieder zurück.

Einen deutlichen Zinsanstieg allerdings gab es in Italien. Die Regierungsbildung zwischen den beiden populistischen Parteien Fünf Sterne und Lega Nord und den geplanten deutlichen Ausgaben-steigerungen setzt die Brüsseler EU-Behörden in Alarmbereitschaft und verunsichert die Investoren.

Deutsche Bundesanleihen waren wieder als sicherer Hafen gefragt, gleiches gilt für den Schweizer Franken und den japanischen Yen. Auch wenn es derzeit nicht nach einer erneuten Eurokrise aussieht, ist man dennoch besorgt wegen der politischen Entwicklung.

Wir sehen derzeit wenig Spielraum für weitere deutliche Zinssteigerungen. Mittelfristig sollten gestiegene Inflationsraten – auch wegen der zuletzt deutlich gestiegenen Rohölpreise – zu einem höheren Renditeniveau führen. Zudem werden die Käufe der großen Notenbanken in den nächsten Monaten weiter reduziert. Damit fehlen wichtige Akteure am Rentenmarkt.

Weltbild Mai 2018