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Kommentar zum 4.Quartal 2016

Ein turbulentes Jahr an den Kapitalmärkten liegt hinter uns. Der Jahresstart an den Aktienmärkten gehörte zu den schlechtesten der letzten 50 Jahre: Ein Kurseinbruch am chinesischen Aktienmarkt sorgte gleich am ersten Handelstag nach Neujahr für ein Beben an den Börsen. Bis Mitte Februar verloren globale Aktien bis zu 20%. Die nachfolgend einsetzende Erholung vollzog sich in ähnlich rasantem Tempo, nur um im weiteren Verlauf des Jahres wiederholt durch unerwartete politische Ereignisse wie dem Brexit-Votum in Großbritannien im Juni oder der Wahl Donald Trumps als neuem US-Präsident im November massiv gestört zu werden. Erst in den letzten Wochen des Jahres gelang es, die Vorjahresniveaus zu überwinden und das Jahr mit einem moderat positiven Ergebnis noch versöhnlich abzuschließen.

Investoren festverzinslicher Anlagen haben eine ähnliche Achterbahnfahrt erlebt. Während noch im ersten Halbjahr die Renditen weiter sanken und selbst 10-jährige Bundesanleihen zwischenzeitlich negativ rentierten, kam es im zweiten Halbjahr zu einer deutlichen Wende. Steigende Inflationsraten haben die Renditen weltweit anziehen lassen. Die Zeit der extrem niedrigen und selbst für längere Laufzeitbereiche teilweise negativen Renditen scheint endgültig vorbei zu sein.

Die Notenbanken agierten mit ihrer Geldpolitik weiterhin unterstützend für die Märkte. Die EZB weitete ihr ursprünglich bis März 2017 begrenztes Ankaufprogramm von Anleihen bis Dezember 2017 aus. Die amerikanische Notenbank FED zögerte ihre lange erwartete Zinserhöhung bis zum Ende der Präsidentschaftswahlen hinaus und vollzog erst im Dezember eine moderate Anhebung.

In diesem Umfeld haben wir die Aktienquote taktisch und eher defensiv gesteuert. Erst im November und Dezember haben wir die Aktienquote in zwei Schritten deutlich angehoben und konnten damit von der Jahresendrally profitieren. Aktieninvestments in den USA, Japan und den Schwellenländern sind aktuell übergewichtet, dagegen europäische Aktienanlagen leicht untergewichtet sind.

Bei den festverzinslichen Anlagen haben wir im Jahresverlauf sukzessive Risiken reduziert und die Investments damit weniger zinssensitiv ausgerichtet. Zudem wurden im Mai inflationsgeschützte Anleihen neu aufgenommen. Schwerpunkt der Anlagen im verzinslichen Bereich sind weiterhin qualitativ hochwertige Unternehmensanleihen.

Ausblick

Das Börsenjahr 2017 beginnt mit gemischten Gefühlen. Im Fokus werden im neuen Jahr die verschiedenen Wahlen in Europa stehen, die von dem zunehmenden Vertrauensverlust in politische Institutionen geprägt sein dürften. Die Brexit-Verhandlungen, die im März beginnen sollen, werden sich über einen langen Zeitraum hinziehen und immer wieder für kurzfristige Störfeuer sorgen. In den USA wird man gespannt sein, ob Donald Trump seine vollmundigen Wahlversprechungen in reale Politik umsetzen kann. Insgesamt wird es weiterhin viel politischen Zündstoff für die Börsen weltweit geben.

Für die Weltwirtschaft wird für 2017 mit einem moderaten Wachstum gerechnet. Die Rahmenbedingungen haben sich allerdings gegenüber 2016 etwas geändert. Die amerikanische Notenbank wird nach der Zinswende wohl auch weiterhin die Zinsen moderat erhöhen. Die Notenbanken der Eurozone und Japans werden jedoch bei ihrem sehr expansiven Kurs bleiben. Ähnlich sieht es bei den Wachstumsprognosen aus: Das Wachstum in den USA hat sich zuletzt stabilisiert und erhält durch die Wahlversprechen des neuen Präsidenten, Millionen neuer Arbeitsplätze zu schaffen und massiv in die US-Infrastruktur investieren zu wollen, zusätzlich Phantasie.

Für Europa hat sich das Bild hingegen leicht eingetrübt: Anziehende Inflationsraten und wichtige politische Entscheidungen gelten als größtes Wachstumsrisiko, während ein schwacher Euro und die niedrigen Zinsen unterstützend auf die Wirtschaftsentwicklung wirken sollten – insgesamt ein eher gemischter Cocktail.

Für Japan und die Schwellenländer sind die Analysten wieder positiver gestimmt. In Japan zeichnet sich nach einer langen Durststrecke eine konjunkturelle Belebung ab. Russland und Brasilien dürften nach einer Rezession wieder positive Wachstumsraten erzielen, und auch China – im letzten Jahr noch sorgenvoll betrachtet – wird den Schätzungen nach Zuwachsraten über sechs Prozent erzielen.

Für die Aktienmärkte besteht damit ein moderates Aufwärtspotential, auch wenn sich die aktuellen Bewertungen leicht über den langjährigen Durchschnitten bewegen. Die politische Entwicklung diesseits und jenseits des Atlantiks könnte jedoch – wie auch im abgelaufenen Jahr – für erhöhte Volatilität sorgen.

Bei den festverzinslichen Anlagen bestehen nach den Zinssteigerungen der letzten Wochen teilweise wieder interessante Einstiegsrenditen. Die weiterhin expansive Geldpolitik und das andauernde Ankaufprogramm der EZB lässt trotz gestiegener Inflationsraten keine deutlichen Zinssteigerungen erwarten. Der Schwerpunkt der Investments sollte weiterhin im mittleren Laufzeitbereich liegen. In den USA dürfte sich mit den erwarteten moderaten Zinsbewegungen die Zinskurve weiter verflachen.

Auch wenn gerade von politischer Seite einiges Störpotential vorhanden ist, rechnen wir nicht mit einer solchen Häufung unerwarteter Ereignisse wie noch im letzten Jahr. Insgesamt sollten die Märkte daher gelassener reagieren. Ein taktisches Agieren bei Aktien und festverzinslichen Anlagen bleibt jedoch weiterhin unverzichtbar.