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Kommentar zum 4. Quartal 2017

Mit deutlichen Kursgewinnen haben die globalen Aktienmärkte das Jahr 2017 beendet. Viele Indizes konnten dabei neue historische Höchstmarken erreichen. Aktienmärkte außerhalb der Eurozone haben dabei wesentlich höhere Zuwächse erzielen können als europäische Aktien. Das Ergebnis wurde aus Sicht eines Euro-Anlegers jedoch durch zum Teil zweistellige Wechselkursverluste deutlich geschmälert.

Zu Beginn des abgelaufenen Jahres standen die Kapitalmärkte ganz im Bann der politischen Stimmungslage. Der Beginn der Präsidentschaft Donald Trumps hatte in den USA Hoffnungen auf wesentliche Impulse für die wirtschaftliche Entwicklung geweckt: Geplante Änderungen der Gesundheitspolitik und vor allem eine groß angekündigte Steuerreform sollten vor allem US-Unternehmen deutlich entlasten.

Auch in Europa spielte die Politik angesichts anstehender Wahlen eine wichtige Rolle bei den Anlageentscheidungen. Parlamentswahlen in den Niederlanden im März, viel mehr aber noch die die Präsidentschaftswahlen in Frankreich im April und Mai hatten bei einem Wahlsieg der populistischen Parteien das Potential, die Stabilität der Eurozone nachhaltig zu schwächen. Folgerichtig haben sich in den ersten Monaten US-Aktien deutlich besser entwickelt als ihre europäischen Pendants.

Nach den Wahlsiegen der konservativen Partei in den Niederlanden im März und von Emmanuel Macron in Frankreich und der Niederlage der Eurogegner haben sich die Sorgen um politische Risiken an den Märkten etwas gelegt. Die Stimmung der Investoren gegenüber europäischen Aktien konnte sich wesentlich verbessern. Die Stimmungsaufhellung hat sich auch an den Devisenmärkten gezeigt. 2017 hat sich der Euro gegenüber den wichtigsten Handelswährungen um ca. 10% verteuert.

Konjunktur und Geldpolitik unterstützten die Entwicklung der Aktienmärkte zusätzlich. Die Stimmung in der Industrie wie auch bei den Konsumenten verbesserte sich im Laufe des Jahres deutlich, viele Stimmungsindikatoren erreichten Niveaus wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Auch die Realwirtschaft konnte sich deutlich besser entwickeln als noch zu Jahresbeginn erwartet. Vor allem in den Ländern der Eurozone hat es eine Beschleunigung des Wachstums gegeben. Zum Ende des Jahres ist die Wirtschaft der Eurozone so kräftig gewachsen wie seit 2011 nicht mehr.

Die Notenbanken haben in diesem Umfeld den Weg zu einer langsamen Normalisierung der Geldpolitik eingeschlagen. Die US-Notenbank FED hat im Laufe des Jahres 2017 die Leitzinsen in drei Schritten um 0,75% erhöht. Zusätzlich entzieht sie seit Oktober sukzessive die in den Vorjahren massiv zur Verfügung gestellte Liquidität. Die europäische Zentralbank ist hingegen weiterhin expansiv, aber auch von Seiten der EZB wird seit Anfang dieses Jahres weniger Liquidität in die Märkte gepumpt als in den Vorjahren. Diese Maßnahmen sind aber nur eine logische Konsequenz der guten wirtschaftlichen Entwicklung und haben nicht zu größeren Turbulenzen an den Kapitalmärkten geführt.

Weniger erfreulich war die Entwicklung für Investoren im festverzinslichen Bereich. Die Renditen von Staatsanleihen im qualitativ hochwertigen Segment haben sich im Laufe des Jahres leicht nach oben bewegt, was zu Kursverlusten der entsprechenden Anleihen geführt hat. Unternehmensanleihen haben sich hingegen leicht positiv entwickelt. Vor allem Anleihen in Euro haben von dem Ankaufprogramm der EZB profitiert. Die Zinsunterschiede zu Bundesanleihen haben sich weiter reduziert und notieren auf langjährigen Tiefstständen. Per Saldo haben die meisten Investitionen im festverzinslichen Bereich nach Abzug der Inflationsrate zu einem realen Kapitalverlust geführt.

Für 2018 rechnen wir mit einer weiterhin positiven konjunkturellen Entwicklung. Allerdings ist in den meisten Volkswirtschaften nicht mehr mit einer so deutlichen Wachstumszunahme zu rechnen wie noch im abgelaufenen Jahr. Lediglich in den USA könnte die Dynamik aufgrund der im Dezember beschlossenen Steuerreform etwas zulegen. Die Notenbanken werden den Weg zu einer weniger expansiven Geldpolitik in kleinen Schritten weiter gehen. Dennoch bleibt im aktuellen konjunkturellen Umfeld das geld-politische Klima weiterhin sehr unterstützend. Die Gefahr einer deutlich Wachstums-abkühlung aufgrund einer restriktiveren Geldpolitik sehen wir nicht.

Aktieninvestoren können daher auch für 2018 mit Kursgewinnen rechnen. Politische Risiken wie zum Beispiel die Wahlen in Italien im März oder die Untersuchungen der Russland-kontakte im Umfeld Donald Trumps während des US-Wahlkampfes bergen zwar weiterhin gewisses Störpotential, werden aber aktuell von den Kapitalmärkten ausgeblendet. Für Anleiheinvestoren hingegen bleibt die Situation herausfordernd. Die Möglichkeiten, nominelle und vor allem reale positive Erträge zu erwirtschaften, bieten nur noch Anleihen aus dem risikoreicheren Segment. Ein aktives Management von Laufzeiten, Kreditqualitäten und Währungen ist in diesem Umfeld unerlässlich.