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Aktuelles Weltbild

Die Unsicherheiten hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung vor allem in der Eurozone haben in den letzten Monaten deutlich zugenommen. Es sind in erster Linie politische Entwicklungen, die das Anlegervertrauen am stärksten beeinflussen: Ein sich kontinuierlich verschärfender Handelskrieg der USA gegen China, die ausgabenfreudige Haushaltspolitik der neuen italienischen Regierung sowie die fest gefahrenen Brexit-Verhandlungen. Hinzu kommen die bereits erfolgten sowie zukünftigen Zinserhöhungen der US-Notenbank und das Auslaufen des Anleiheankaufprogramms der EZB zum Jahresende. Gerade die europäischen Aktienmärkte haben darunter deutlich gelitten, während sich die US-Aktien lange davon abkoppeln konnten. Eine Rezession der wichtigsten Volkswirtschaften ist derzeit nicht in Sicht, dennoch registrieren die Investoren die nachlassende Dynamik und verhalten sich dementsprechend vorsichtig.

Gesamtwirtschaftliches Umfeld

  • Die Stimmung der Industrie der Eurozone hat sich aufgrund zunehmender Risiken merklich abgekühlt. Dementsprechend wurden die Wachstumsprognosen nach unten angepasst.
  • In den USA hingegen läuft die Konjunktur weiterhin auf Hochtouren, zusätzlich befeuert durch die Steuersenkungen zum Jahreswechsel.
  • Die chinesische Wirtschaft wächst weiter wie erwartet, aber auch hier steigen die Risiken aufgrund der zunehmend aggressiven US-Handelspolitik.

Notenbankpolitik

  • Eine rekordtiefe Arbeitslosenquote sowie eine zunehmende Dynamik der wirtschaftlichen Entwicklung in den USA lassen die FED an ihrem bisherigen Zinserhöhungspfad festhalten.
  • Auch die EZB ändert in kleinen Schritten ihre bisher sehr expansive Geldpolitik. Das Anleiheankaufprogramm läuft zum Ende des Jahres aus. Erste Zinsschritte der EZB werden hingegen nicht vor Sommer 2019 erwartet.

Währungen

  • Die sich ausweitende Zinsdifferenz sowie zunehmende politische Unsicherheiten in der Eurozone haben den US-Dollar weiter aufwerten lassen.
  • Steigende US-Zinsen haben Währungen aus den Schwellenländern massiv unter Druck gebracht. Gerade Länder mit einer hohen Auslandsverschuldung waren davon betroffen.

Aktienmärkte

  • Die zunehmenden politischen Spannungen haben die Aktienmärkte im laufenden Quartal deutlich unter Druck gebracht.
  • Auch wenn derzeit noch keine realwirtschaftlichen Auswirkungen erkennbar sind, haben sich Investoren von risikobehafteten Anlagen getrennt.
  • Eine Lösung der derzeitigen Belastungsfaktoren sollte fundamentale Faktoren wieder in den Vordergrund rücken, zumal Aktienanlagen auf dem aktuellen Niveau attraktiv bewertet sind.

Rentenmärkte

  • Der Zinsanstieg der wichtigsten Anleihemärkte hat sich in den letzten Wochen nicht weiter fortgesetzt.
  • Die Zinsunterschiede italienischer zu deutschen Staatsanleihen haben sich wegen des Haushaltsstreit deutlich vergrößert, was auch andere Peripherieanleihen betroffen hat.
  • Die Bildung einer populistischen Regierung in Italien hat die Zinsen von Anleihen aus der Peripherie deutlich ansteigen lassen.
 

Gesamtwirtschaftliches /monetäres Umfeld

 

Die Entwicklung der wichtigsten Volkswirtschaften läuft nicht mehr so homogen wie noch zum Jahreswechsel erwartet. Während in den USA die Dynamik deutlich zugenommen hat, hat sich die Stimmung in der Eurozone hingegen eingetrübt. Dies zeigt sich auch in der Entwicklung der Wachstumsprognosen.

Belastungsfaktoren bestehen vor allem in einer Zuspitzung des Handelskrieges, was die exportabhängige Industrie der Euroländer treffen könnte, sowie in dem völlig ungewissen Ausgang der Brexit-Verhandlungen. Die Bandbreite der möglichen Auswirkungen reicht von einem Einbruch des Welthandels mit einer globalen Rezession bis hin zu einem stabilen, allerdings leicht abnehmendem Wachstum bis ins Jahr 2020 – je nach Ausgang der beschriebenen Faktoren. Es gibt jedoch bereits leichte Entspannungssignale: US-Präsident Trump stellt eine Lösung im Handelskrieg mit China in Aussicht, die bereits Ende November auf dem G20-Gipfel verhandelt werden könnte. Auch Großbritannien und die EU arbeiten fieberhaft daran, einen „hard Brexit“ zum Ende März 2019 zu vermeiden.

Wir befinden uns aktuell in der späten Phase des konjunkturellen Aufschwungs, der in den USA 2009 und in der Eurozone 2011 begonnen hat. Dass dieser Aufschwung nicht unendlich läuft ist gewiss, im Falle einer Lösung der aktuellen Probleme könnte er jedoch durchaus noch bis ins Jahr 2020 laufen, wenn auch mit leicht abnehmender Dynamik.

 

Ausblick Aktienmärkte

 

Hauptleidtragende der derzeitigen unsicheren Situation waren die Aktienmärkte Europas. Zwischenzeitlich lagen die Verluste auf Jahressicht bei über 10%. Und das ungeachtet der weiterhin expansiven Geldpolitik der EZB mit Aussicht auf eine nur sehr vorsichtige Straffung, gute – wenn auch leicht reduzierte – Gewinnaussichten sowie der fehlenden Anlagealternativen im festverzinslichen Bereich. Auch im Hinblick auf das Szenario eines weiterhin moderaten Wirtschaftswachstums sind Aktien ein wichtiger Bestandteil.

Kurzfristig verhält sich das Kapital jedoch wie ein scheues Reh – wittert es Gefahr, ergreift es die Flucht. So erging es auch den meisten Aktienmärkten.

Eine Lösung im Handelsstreit, ein Kompromiss im Haushaltsstreit mit Italien, ein akzeptables Brexit-Abkommen – dies würde die Gefahr eines stärkeren Abschwungs deutlich reduzieren. Aktienmarkt-bewertungen auf langjährigen Durchschnitten, Dividendenrenditen von durchschnittlich über 3% im Vergleich zu Bundesanleihen mit einer Rendite von ca. 0,5% würden die Risikobereitschaft der Investoren deutlich steigern und einer guten Aktienperformance würde nichts mehr im Wege stehen.

Bis dahin heißt es jedoch vorsichtig sein und Witterung aufnehmen, um – wie das Reh – bei nachlassender Gefahr an die Futterstelle zurück zu kehren.

 

Ausblick Rentenmärkte

 

Der Zinsauftrieb der letzten Monate kam erst einmal zum Stillstand. Im aktuellen Umfeld waren sichere Staatsanleihen ein beliebter Fluchtpunkt. Auch wenn sich die Renditen von den Höchstständen etwas zurück gebildet haben – die Zeit der extrem niedrigen und zum Teil deutlich negativen Renditen ist endgültig vorbei.

Der relativ weit fortgeschrittene Konjunkturzyklus führt zu steigender Beschäftigung, was über kurz oder lang auch zu ansteigenden Inflationsraten führen wird. Die Notenbanken agieren daher richtig, die geldpolitischen Zügel etwas anzuziehen. Die US-Notenbank hat in den letzten drei Jahren die Zinsen in 8 Schritten um insgesamt 2% angehoben und erwägt weitere Anhebungen um 1% bis Ende 2019. Davon ist die EZB noch weit entfernt, aber auch hier ist der Weg zu einer schrittweisen Normalisierung der Geldpolitik eingeschlagen worden.

Gerade das Auslaufen des Ankaufprogramm der EZB wird zu ansteigenden Renditen ab 2019 führen, da ein wichtiger Käufer vom Markt verschwindet. Ein Renditeniveau oberhalb der Inflationsrate, das einen realen Kapitalerhalt ermöglicht, ist aber weiterhin nur mit spekulativen Anleihen oder im Fremdwährungsbereich möglich.

Weltbild November 2018