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Aktuelles Weltbild

Eine alte Börsenweisheit besagt, politische Börsen hätten kurze Beine. Gemeint ist damit, dass politische Krisen nur vorübergehend die Kurse an den Kapitalmärkten belasten. Derzeit scheint es jedoch so, dass die Beine der politischen Börsen nicht nur immer länger werden, sondern zusätzlich noch auf Stelzen daherkommen. Seit Monaten hält die Weltpolitik die Börsen gefangen: der Handelskrieg – ausgelöst von den USA, das Chaos in der britischen Regierung beim Brexit, die unverantwortliche Haushaltspolitik der italienischen Regierung und neuerdings der massive Protest der Gelbwesten in Frankreich, der Präsident Macron unter Zugzwang setzt und die beim Amtsantritt versprochene Reformierung der französischen Wirtschaft aus der Bahn wirft. Jeder Tweet, jede politische Äußerung oder Handlung bringt teils massive Verwerfungen mit sich und ein Ende ist derzeit nicht absehbar.

Gesamtwirtschaftliches Umfeld

  • Die Konjunktur vor allem in der Eurozone hat deutlich an Dynamik verloren. Zu sehr belasten die aktuellen politischen Unsicherheiten.
  • In den USA hingegen lief die Wirtschaft bis zuletzt stark, für das laufende Jahr wird nur eine geringe Abschwächung erwartet.
  • Auch in China schwächt sich das Wachstum ab, nach 6,6% im Vorjahr werden für 2019 6,2% erwartet. Größere Unsicherheiten könnten bei einem sich verschärfenden Handelskrieg entstehen.

Notenbankpolitik

  • Die Notenbanken tragen dem schwächeren konjunkturellen Umfeld Rechnung und signalisieren eine vorsichtigere Geldpolitik.
  • Für die USA erwartet der Markt für dieses Jahr keine Zinserhöhung mehr, obwohl die Notenbank FED zwei Zinserhöhungen in Aussicht stellt.
  • Die EZB wird die erste Zinserhöhung wohl erst 2020 vornehmen.

Währungen

  • Am Devisenmarkt ist die Euro-Abwertung gegenüber den wichtigsten Währungen erst einmal gestoppt.
  • Die Aussicht auf geringere bis keine Zinserhöhungen durch die FED dürfte den Eurokurs zum US-Dollar stabilisieren.

Aktienmärkte

  • Der Jahresstart verlief an den globalen Aktienmärkten bisher sehr erfreulich. Kurstreiber war vor allem die Hoffnung auf eine Entspannung im Handelsstreit.
  • Aktuell sind aufgrund der starken Kursverluste der letzten Monate vor allem bei europäischen Aktien die Bewertungen wieder im historischen Vergleich sehr attraktiv.
  • Risiken bestehen jedoch in der Entwicklung der Unternehmensgewinne im aktuell schwächeren Umfeld.

Rentenmärkte

  • Dem Rückgang der Renditen erstklassiger Staatsanleihen in den letzten Wochen steht ein deutlicher Renditeanstieg bei Unternehmensanleihen gegenüber.
  • Die Zinsunterschiede sind so groß wie zuletzt Anfang 2016, dennoch liegt die Rendite in vielen Bereichen weiterhin unter der Inflationsrate.

Gesamtwirtschaftliches /monetäres Umfeld

Die Auswirkungen der politischen Unsicherheiten auf die Realwirtschaft und die Kapitalmärkte waren bereits im Sommer spürbar und haben sich im zweiten Halbjahr noch einmal verstärkt. Die vormals sehr gute Stimmung bei der Industrie in der Eurozone hat sich merklich eingetrübt. Wichtige Stimmungsindikatoren signalisieren mittlerweile eine beginnende Abschwungphase. Stabil zeigte sich hingegen die Konjunktur in den USA, die durch die Steuerreform vor einem Jahr zusätzlich befeuert wurde. Man muss allerdings in Betracht ziehen, dass die aktuellen Umfragewerte in einer Zeit erfasst wurden, als die politischen Unsicherheiten durch den zwischenzeitlichen Regierungsstillstand in den USA kurz vor Weihnachten nochmals zugenommen haben. Mittlerweile gibt es aber in einigen Bereichen leichte Entspannungssignale: die USA und China verhandeln ernsthaft über eine Lösung im Handelsstreit, eine Verschiebung des Ausscheidens Großbritanniens aus der Eurozone scheint nicht mehr so abwegig und der Regierungsstillstand in den USA ist erst einmal aufgehoben. Auch die Äußerungen der Notenbanken haben zur Beruhigung beigetragen. Die amerikanische FED wie auch die EZB werden in ihrer Geldpolitik flexibel und notfalls weniger restriktiv auf sich verändernde Rahmenbedingungen reagieren. Konkret werden in den USA deutlich weniger Zinserhöhungen erwartet als noch vor einigen Monaten, während in der Eurozone erste Zinserhöhungen in diesem Jahr immer unwahrscheinlicher werden.

Ausblick Aktienmärkte

Nach den teils heftigen Kursverlusten, vor allem im letzten Quartal, sind die globalen Aktienmärkte sehr erfreulich ins neue Jahr gestartet. Die Panik, die teilweise kurz vor Jahreswechsel spürbar war, scheint wohl übertrieben gewesen zu sein. Die aktuelle konjunkturelle Situation der wichtigsten Volkswirtschaften zeigt zwar stärkere Ermüdungserscheinungen, aber eine unmittelbar bevorstehende Rezession ist derzeit überhaupt nicht zu erkennen. Die Entspannungssignale der Politik haben Risikoanleger wieder bei Aktien zugreifen lassen, zumal die Bewertungen durch die Kursverluste der letzten Monate deutlich attraktiver geworden sind. Zwar wurden auch die Gewinnprognosen der Unternehmen reduziert, aber nicht in dem Maße wie die Kursverluste dies vermuten lassen könnten. Der Schlüssel für ein erfolgreiches Aktienjahr liegt jedoch in der Politik. Sollte es zu einer dauerhaften Lösung im Handelsstreit kommen und ein harter Brexit ohne Abkommen vermieden werden, würde sich der Konjunkturhimmel wieder aufhellen und der Risikoappetit der Investoren würde steigen. Insgesamt besteht eine gute Chance, dass das Aktienjahr 2019 – zwar unter Schwankungen – insgesamt deutlich erfreulicher läuft als das Jahr 2018.

Ausblick Rentenmärkte

Die Turbulenzen an den Aktienmärkten haben auch in vielen Anleihesegmenten ihre Spuren hinterlassen. Dem Renditerückgang erstklassiger Staatsanleihen standen teils erhebliche Renditeanstiege bei Unternehmensanleihen gegenüber. Vor allem war dies bei Unternehmensanleihen etwas schlechterer Qualität zu beobachten. Die Renditeunterschiede dieser Anleihen zu Staatsanleihen waren zum Ende des Jahres so hoch wie zuletzt im Frühjahr 2016. Der Zinsrückgang von Staatsanleihen sollte sich in dem aktuellen Umfeld nicht weiter fortsetzen, vielmehr wird eine Entspannung der politischen Situation zu tendenziell leicht höheren Renditen führen. Die abnehmende konjunkturelle Dynamik sowie weiterhin sehr moderate Preissteigerungsraten verhindern jedoch einen stärkeren Renditeanstieg. Im Gegenzug sollten sich die Renditeaufschläge von Unternehmensanleihen wieder reduzieren, was aktuell attraktive Investitionschancen in diesem Segment bietet. Insgesamt bleibt das Umfeld für Anleiheinvestoren aber weiterhin herausfordernd, da viele Renditen unverändert unterhalb der Inflationsrate liegen.

Strategie

Nach einer deutlichen Reduzierung der Aktienquote Anfang Oktober haben wir die anschließenden Kursrückgänge zum Wiedereinstieg genutzt. Mit einer aktuellen Aktienquote von ca. 75% bleiben wir dennoch erst einmal abwartend positioniert. Nach dem deutlichen Renditerückgang langlaufender Staatsanleihen haben wir das Zinsrisiko in den Portfolios reduziert und erst einmal in Liquidität geparkt. Weltbild Januar 2019